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Buchhinweis







Bibliographische Angaben:

 Janina Ramirez ,  Karin Schuler

Heldinnen, Herrscherinnen, Heilige

Die wahren Geschichten der Frauen hinter Europas Nationalmythen

Originaltitel: Legenda. The Real Women Behind the Myths That Shaped Europe

Übersetzung: Aus dem Englischen von Karin Schuler

ISBN: 978-3-8275-0216-2




ZUM BUCH:

Johanna von Orléans, Lady Godiva oder Isabella von Kastilien – sind Frauen(gestalten), die bekannt und geschätzt sind. Die Autorin weist darauf hin, dass ihre Geschichten in aller Regeln umgedeutet, romantisiert und verfälscht wurden. Aus konkreten komplexen Persönlichkeiten, die mutig „agiert haben, sind „Symbole – für Reinheit, Opferbereitschaft oder Macht“ geworden –, geprägt von den jeweiligen Ideologien ihrer Zeit.

Dies ist kein traditionelles Geschichtsbuch. Es ist vielmehr eine Reise, de-

ren Route ich entworfen habe und die uns durch die Jahrhunderte und

quer durch Europa führt. Ich begann das Schreiben aus einem einfachen

Grund: Bei der Auseinandersetzung mit der Geschichte historischer Frau-

enfiguren war mir aufgefallen, wie im Laufe der Jahrhunderte die Namen

und der Ruf dieser Frauen immer wieder modifiziert, manipuliert, benutzt

und missbraucht wurde, oft für politische Zwecke.“ (S. 17)

 

 Die Autorin schreibt zu Ihrem Vorgehen: „Um besser zu verstehen, wie das heutige Europa entstanden ist, habe ichvsieben Länder oder Regionen ausgewählt: beginnend mit Frankreich über die Iberische Halbinsel, Griechenland, die Niederlande, Deutschland, Ita-lien und schließlich hin zu Großbritannien. Für jede Region habe ich eine moderne Figur aus dem 18. oder 19. Jahrhundert, die in einem entscheidenden Moment einer Revolution oder des Nation Building aktiv war, mit einer mittelalterlichen Frau kombiniert und kontrastiert. Zusammen bilden sie außergewöhnliche Paarungen: Königinnen, Kriegerinnen, Kaiserinnen, Heilige, Vordenkerinnen, Revolutionärinnen“ (S. 18 f)

 Inhalt

Vorwort 13

Einführung 17

Die Nation ist eine Frau • Gab es im Mittelalter Nationen? •

Elisabeth von Thüringen

1 Frankreich: Revolution und Neuerfindung 33

Jeanne d’Arc (1412–1431) und Charlotte Corday im Jahr 1793

13. Juli 1793, Hotel de Providence, Rue des Vieux Augustins, Paris •

Von Charlotte zu Jeanne • Die wahre Jeanne d’Arc? •

Prophezeiungen • Die Stimmen und die Glocken •

Jeanne und die weiblichen Heiligen • Kriegerin, Ritterin und

Soldatenheilige • Komplexe Hinterlassenschaften

 

2 Die Iberische Halbinsel: Dynastie und Entdeckung 97

Isabella von Kastilien (1451–1504) und Agustina Raimunda

Maria Saragossa im Jahr 1812

3 Uhr morgens, 2. Juli 1808, Portillo-Tor, Saragossa • Isabella

von Kastilien: mittelalterlich oder modern? • Drehtüren •

Tanto Monta und die höfische Liebe • Wiederaufbau, religiöser Eifer

und Reconquista • 1492 und alles, was damit zusammenhängt •

Familie, letzte Jahre und die Zukunft

 

3 Griechenland: eigenständig und untypisch 145

Anna Komnene (1083–1153) und Laskarina Bouboulina im Jahr 1892

Sonnenuntergang, 22. Mai 1825, Spetses, Griechenland •

Im Purpur geboren • It’s a Man’s World • Frauen regieren das Reich •

Nur Männer schreiben Geschichte • Klagelieder und Legitimität •

Coup oder Verschwörung? • Normen überschreiten

 

4 Die Niederlande: außergewöhnlich und extrem 189

Maria von Oignies (1177–1213), die Beginen und

die Schwestern von Notre-Dame de Namur im Jahr 1831

1818, Mutterhaus der Schwestern Unserer Lieben Frau, Namur,

Belgien • Von Namur ins Oignies des 13. Jahrhunderts •

Marias Leben (oder was wir davon wissen) • Imitatio Christi •

Durch die Feder von Männern • Einsamer Stern oder Teil eines

Sternbilds? • Sprache, Bildung und Identität • Die Beginen •

Die Beginenhöfe und Belgien • Belgische Identität und

der Schatz von Oignies

 

5 Deutschland: Bindungen und Blutlinien 241

Kaiserin Adelheid von Bayern (931–999) und Lola Montez im Jahr 1848

9. Februar 1848, mittags, im Zentrum von München, Deutschland •

Die perfekte deutsche Frau? • Gefangene eines Fürsten •

Ein wahrhaft königlicher Aufstieg • Kaiserin des Heiligen Römischen

Reiches • Mutter von Herrschern, Herrscherin des Mutterlandes •

Welche Imperatrix Augusta? • Das Goldene Zeitalter der Frauen?

 

6 Italien: Frömmigkeit und päpstliche Macht 291

Katharina von Siena (1347–1380) und Anna »Nina« Morisi im Jahr 1858

23. Juni 1858, Bologna, Italien • Schutzpatronin des Papsttums •

Schutzpatronin der Dominikaner • Mystische Ehe und Wundmale

Christi • Die Prophetin der Päpste • Die persönliche Heilige des

Papstes • Immer noch die Heilige von Siena

 

7 Großbritannien: traditionell und transnational 339

Lady Godiva (gest. um 1066–1086) und Königin Victoria im Jahr 1857

26. August 1857, Osborne House, Isle of Wight, England •

Die Wellen des Wandels reiten • Die wahre Godiva: Ein Leben inmitten

von Konflikten • Unabhängig wohlhabend, unabhängig einflussreich •

Geschichte wird Legende • Ein sehr viktorianischer Voyeurismus •

Godiva neu interpretiert

 

Schlussgedanken

 zur Autorin:

Prof. Dr. Janina Ramirez, geboren 1980, ist Kulturhistorikerin, Literatur- und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Englische Literatur in Oxford, gefolgt von einem Master und einer Promotion am Centre for Medieval Studies in York über die Kunst, Literatur und Kultur des angelsächsischen Englands. https://www.penguin.de/buecher/janina-ramirez-heldinnen-herrscherinnen-heilige/buch/9783827502162

 





Einordnung für die Bildungsarbeit

Im Ethik und Philosophieunterricht, im Geschichtsunterricht und auch im Rahmen der Politischen Bildung wird die Frage nach der Rolle bedeutender Frauen in vielen Zusammenhängen zum Thema werden. Die Autorin gibt einen wichtige Impuls zur Einordnung und präsentiert in diesem Buch viele Zugänge, Informationen und diskussionsansätze. „Wie Elisabeth existierten auch die anderen Frauen in diesem Buch nicht

in einem Vakuum. Sie waren Teil komplexer Gesellschaften, sie passten sich

dem Wandel um sie herum an und reagierten auf die Veränderungen ihrer

Zeit. Sie zu Verkörperungen von Nationen oder zu zeitlosen Heldinnen zu

erklären, wie es die Nationenbildner Jahrhunderte später taten, bedeutet,

sie von identifizierbaren Menschen der Vergangenheit in Postergirls und

Propagandawerkzeuge zu verwandeln. Es ist an der Zeit, diese Schichten

abzutragen und sie in ihrer ganzen Komplexität zu sehen. Es ist an der Zeit,

die wahren Frauen hinter den Legenden zu entdecken.“ (S, 32)

 




Martin Geisz, September 2026